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Dreimal gut geführt

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 30.12.2014

Haben Sie schon einmal in einem Beschlagkatalog geblättert? Wenn ja, ist Ihnen sicherlich die Menge an unterschiedlichen Schubladenbeschlägen aufgefallen. Beschäftigt man sich aber eingehender mit der Thematik, stellt man fest, dass sich die Vielzahl auf lediglich drei gebräuchliche Typen stützt, die in unterschiedlichen Ausführungen und mit einigen Zusatzfunktionen angeboten werden. Die vielen Kombinationsmöglichkeiten füllen dann schnell mal mehrere Hundert Katalogseiten.

einfacher Rollenauszug

Rollenauszüge sind ideal für Werkstattmöbel

Die Grundtypen

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Bauformen. Da ist zum einen der Unterflurauszug. Er benötigt seitlich nur wenige Millimeter an Platz, trägt aber unter der Schublade stark auf. Man verliert an nutzbarer Schubladenhöhe. Die Auszugmechanik ist weder bei geöffneter, noch geschlossener Schublade zu sehen. Einfache Teleskopauszüge werden seitlich am Schubkasten angebracht. Meist werden Sie in die Schubladenseite eingenutet. Das spart Platz und erleichtert die Montage. Bei geöffneter Schublade ist der Beschlag sichtbar. Mit diesem Beschlag, sofern er eingenutet wird, nutzen Sie den vorhandenen Platz am effektivsten aus. Preisgünstig, robust, aber nicht gerade formschön, sind Rollenauszüge. Im Gegensatz zu den kugelgelagerten Unterflur- und Teleskopbeschlägen haben diese Auszüge Rollen. Sie laufen nicht so leise, sind aber auch nicht so anfällig gegen Staub. Im geöffneten Zustand sind die Beschläge sichtbar. Rollenauszüge benötigen einige Millimeter Platz unter der Schublade und ca. 10 - 15 Millimeter seitlich.

Verschiedene Schubladenbeschläge

Verschiedene Schubladenbeschläge

Vollauszug oder Teilauszug

Alle diese drei Typen sind als Voll- oder Teilauszug erhältlich. Bei einem Vollauszug kann der gesamte Schubkasten herausgezogen werden. Das ist praktisch, da man so einen besseren Zugriff auf den Inhalt der Schublade hat. Vollauszüge sind aber meist mechanisch etwas komplexer, oft auch größer, als Teilauszüge. Bei einem solchen Teilauszug kann man die Schublade nicht ganz herausziehen. Meist bleibt ein Drittel der Schublade im Korpus, was den zugriff auf den Inhalt etwas erschwert. Dafür sind diese Beschläge günstiger und vom mechanischen Aufbau her einfacher gestaltet. Meist sind sie auch etwas kleiner. Eine spezielle Variante des Vollauszuges ist der Überauszug. Er macht dann Sinn, wenn das Möbelstück über vorspringende Teile, wie zum Beispiel eine Platte mit großem Überstand verfügt. Ein Überauszug erlaubt das Herausziehen der Schublade noch ein Stück über den Korpus heraus. Bei vorspringenden Möbelteilen über der Schublade ist deren Inhalt dennoch komplett zugänglich. Überauszüge sind meist noch etwas schwerer ausgelegt, als normale Vollauszüge, da hier größere Lasten aufgenommen werden müssen.

Vollauszug und Teilauszug

Vollauszug und Teilauszug

Die Belastbarkeit

Neben dem Typ und der Auszugsvariante ist noch ein drittes Kriterium sehr wichtig: die Belastbarkeit eines Auszuges. Die Hersteller geben meist die maximale Belastbarkeit eines Beschlages in Kilogramm an. Diese Angabe bezieht sich auf den Beschlag als Paar. Die Schublade selbst, also der Kasten muss hier mit einbezogen werden. In der Praxis hat es sich bei mir bewährt, hier nicht zu sparsam zu sein und lieber einen Auszug einer höheren Belastungsklasse zu wählen. Ein Auszug, der permanent an der Belastungsgrenze genutzt wird, verschleißt schneller, als einer der nicht im Grenzbereich belastet wird.

Zusatzfunktionen

Für viele Beschlagmodelle gibt es inzwischen sehr komfortable Zusatzfunktionen. Fast schon zum Standard ist der Sanfteinzug (auch Softclose genannt). Er zieht die Schublade auf den letzten Zentimetern sanft und leise in den Korpus ein. Die Schublade kann dann auch nicht mehr von alleine herauslaufen. Mit dieser Funktion sind die Zeiten von knallenden und leicht hervorstehenden Schubladen vorbei.

Schubladenauszug mit Sonderfunktionen

Moderne Beschläge sind Hightech- Produkte

Immer beliebter werden Systeme, bei denen man auf einen Griff an der Schublade verzichten kann. Diese als Push to Open, oder Tippmatik bezeichnete Funktion erlaubt es, die Schublade leicht anzutippen. Eine Mechanik löst dann aus und schiebt die Schublade ein Stück aus dem Korpus heraus. Man kann sie dann oben oder seitlich greifen und ganz herausziehen. Bei diesen Systemen ist Vorsicht geboten. Meist benötigt man zusätzliche Beschlagkomponenten wie eine Synchronisierung, oder aber man ist in den Abmessungen und der maximalen Belastbarkeit stark eingeschränkt.

Eine enorme Erleichterung sind Beschläge, die es erlauben die genaue Position der Schublade zu justieren. Ja nach System und Hersteller kann man damit das Spaltmaß oder den Aufschlag der Schubladenfront sehr präzise einstellen. Sollten beim Bau der Schublade oder bei der Montage der Beschläge kleine Ungenauigkeiten entstanden sein, lässt sich das dann leicht wieder korrigieren.

Unterflurauszug

Unterflurauszüge sind nicht sichtbar

Es sind also lediglich vier grundlegende Punkte (Typ, Auszug, Belastbarkeit, Zusatzfunktionen) welche zu berücksichtigen und zu kombinieren sind, um den passenden Beschlag zur jeweiligen Anwendung zu finden. Ich hoffe, ich konnte ihnen mit diesem Artikel einen Weg durch den Dschungel der Schubladenbeschläge zeigen.

Teilauszug

Ein Teilauszug in einem kleinen Möbelstück

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