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Der rechte Winkel für zwischendurch

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 13.12.2019

Wer schon einmal eine neue Tischkreissäge bekommen hat, kennt das leidige Thema: Die Maschine muss eingestellt werden. Egal ob es eine kleine, große, teure oder günstige Maschine ist. In der Regel sind die Anschläge noch zu justieren bevor die ersten rechtwinkligen Schnitte gemacht werden können.

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Ein gut justierter Queranschlag ist das A und O, wenn es um den exakten Zuschnitt geht.

Ein gut justierter Queranschlag ist das A und O, wenn es um den exakten Zuschnitt geht.

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Und beim rechten Winkel fängt es schon an. Wie definiert man einen rechten Winkel? Das sind exakt 90 Grad werden Sie nun sagen. Aber wie kontrolliert man, ob ein Winkel eben diese 90 Grad hat? Mein Tipp: besorgen Sie sich einen Anschlagwinkel, dem Sie vertrauen können. Das scheint leider nicht so einfach zu sein, wie es sich anhört. Ich habe einen einfachen Winkel mit einer Länge von 50 Zentimetern, an dem Ich Anschläge für Zimmererwinkel montiert habe. Die ursprünglich montierte Schiene aus Kunststoff war sehr ungenau. Die Umschlagprobe bescheinigt mir hier die geforderten 90 Grad. Damit kontrolliere ich die geschnittenen Werkstücke. 

Machen Sie bitte nicht den Fehler den exakten Winkel zwischen Anschlag und Sägeblatt auf 90 Grad zu justieren. Meist passt das zwar, aber es gibt auch Sägen, bei denen das dann keinen rechten Winkel am Werkstück ergibt, Prüfen Sie also immer das Werkstück nach, das Sie geschnitten haben.

Ganz wichtig dabei ist auch, dass der meist vorher gemachte Längsschnitt präzise ist, also beide Werkstückkanten genau parallel zueinander laufen. 

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Solche Anschläge werden üblicherweise für Zimmererwinkel benötigt. Sie machen aber auch aus einem unpräzisen Anschlagwinkel ein genaues Messinstrument. Und das für nur ein paar Euro.

Solche Anschläge werden üblicherweise für Zimmererwinkel benötigt. Sie machen aber auch aus einem unpräzisen Anschlagwinkel ein genaues Messinstrument. Und das für nur ein paar Euro.

Machen sie die Umschlagprobe. ziehen Sie eine Linie auf ein Brett mit einer geraden Kante.

Machen sie die Umschlagprobe. ziehen Sie eine Linie auf ein Brett mit einer geraden Kante.

Dann drehen Sie den Winkel um. Sind die gezogene Linie und die Kante des Winkels deckungsgleich, ist Ihr Winkel genau.

Dann drehen Sie den Winkel um. Sind die gezogene Linie und die Kante des Winkels deckungsgleich, ist Ihr Winkel genau.

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Perfektionisten stellen die neue Säge mit der sogenannten 5-Schnitt-Methode ein (Hier gibt es eine Anleitung dazu: http://hw.roesch.de/Downloads/5-Schnitt-Methode.pdf) Das ist ein ganz legitimer Weg, aber nichts, was man auch mal zwischendurch schnell machen kann. Ich habe mir angewöhnt beim Zuschnitt hin und wieder den besagten Winkel anzuhalten.

Eine weitere Möglichkeit ist das Messen der Diagonalen. Wenn sie mit einem Bandmaß, Lineal oder Meterstab die Länge der beiden Diagonalen eines Brettes messen, sind diese nur dann gleich lang, wenn das Brett rechtwinklig ist. So die Theorie. Hat Ihr Brett aber die Form eines Trapezes, dann gibt es auch Fälle, in denen die diagonalen gleich sind. Wenn es ganz genau sein soll, prüfen Sie einfach beides nach, die Diagonalen und den Winkel.

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Trügerische Sicherheit. Bei Rahmen und Korpussen funktioniert diese Prüfung perfekt. Bei Zuschnitten ist das Messen der Diagonalen nicht unbedingt eine gute Prüfung.

Trügerische Sicherheit. Bei Rahmen und Korpussen funktioniert diese Prüfung perfekt. Bei Zuschnitten ist das Messen der Diagonalen nicht unbedingt eine gute Prüfung.

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Eine Methode, die Sie immer wieder mal während des Zuschnittes anwenden können, ist das, gezielte Verdrehen und übereinanderlegen der Zuschnitte. Idealerweise machen Sie das dann, wenn Sie mehrere gleich große Teile zuschneiden. Aber es geht auch mit unterschiedlich dimensionierten Holzteilen sehr gut. Merken oder markieren Sie sich einfach die Kante, die beim Schnitt am Queranschlag angelegen hat. Legen Sie nun zwei geschnittene Teile so übereinander, dass die Flächen, die beim Schnitt oben gelegen haben zueinander liegen. Oder drehen Sie die Teile um 180° Grad. Sie können auch beides machen. Ist Ihre Säge korrekt eingestellt, sind die Brettkanten immer bündig zueinander, egal wie Sie die beiden Teile aufeinander legen. Zeigt sich, dass die Kanten der beiden Teile nicht bündig sind, dann sägt Ihre Maschine nicht im rechten Winkel. Diese Prüfung ist wie gesagt so einfach, dass Sie das nebenher beim Zuschnitt immer wieder mal machen können. Sie kommen Sie losen Abschlagpunkten, ausgeleierten Bolzen und ähnlichen Ursachen für Winkelfehler frühzeitig auf die Schliche.

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Zwei gleich groß zugeschnittene Werkstücke eignen sich am besten für diese schnelle Prüfung.

Zwei gleich groß zugeschnittene Werkstücke eignen sich am besten für diese schnelle Prüfung.

Legen Sie eines der Teile verdreht auf das andere. Tasten Sie die Kanten ab.

Legen Sie eines der Teile verdreht auf das andere. Tasten Sie die Kanten ab.

Drehen Sie das Teil nochmal um und prüfen Sei ein weiteres Mal.Legen alle Kanten bündig übereinander, egal wie sie die Teile zueinander drehen, schneidet Ihre Säge genau.

Drehen Sie das Teil nochmal um und prüfen Sei ein weiteres Mal.Legen alle Kanten bündig übereinander, egal wie sie die Teile zueinander drehen, schneidet Ihre Säge genau.

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Zum Abschluss möchte ich noch auf einen ganz wichtigen Punkt eingehen: Wie genau muss es eigentlich sein?

Jeder Holzwerker hat seine ganz eigenen Ansprüche an die Genauigkeit. Perfektionisten messen ständig nach, alles muss bis auch die letzte Winkel-Millisekunde genau geschnitten sein. Pragmatische Zeitgenossen hingegen lassen gerne mal 85 Grad als rechten Winkel durchgehen. Meine Empfehlung wäre ein guter Mittelweg. Es müssen nicht immer 90 Komma 000 Grad sein. Es kommt immer auf die genaue Anwendung an. Eine Schrankseite die statt mit 90 Grad auf 89,8 Grad gesägt wurde, wird an einem großen Möbelstück nicht weiter auffallen. Es gibt sogar Anwendungen, bei denen ein halbes Grad Abweichung noch zu tolerieren ist. Mehr sollten es dann aber auch nicht sein. Versuchen Sie also so genau wie möglich zu arbeiten. Toleranzen kommen von ganz alleine. Mit der Zeit werden Sie lernen mit diesen umzugehen und zum Teil auch darüber hinwegzusehen.

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