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Der Schubladenfund

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 19.07.2016

Vielleicht kennen Sie das ja auch: Sie haben ein Werkzeug, das an sich nützlich ist, aber selten benutzt wird. Es liegt unbeachtet in einer Schublade. Irgendwann aber merken Sie, dass dieses Werkzeug mehr kann, als Sie bisher angenommen hatten. Genau so erging es mir mit einem digitalen Winkelmesser.  Ich benutzte ihn nur selten und nur an der Tischkreissäge. Inzwischen benutze ich ihn aber auch an anderen Maschinen und sogar beim Schärfen.

Solche kleinen Winkelmesser, auch "Bevelbox" genannt bekommt man für wenig Geld. Eigentlich messen Sie die eigene Lage, eine Funktion, die auch viele Mobiltelefone haben. Das Praktische dabei ist, dass die kleine Box dies nicht absolut macht, wie eine Wasserwaage, sondern relativ von jedem beliebigen Punkt aus.  Sie bestimmen per Knopfdruck, ab wo gemessen werden soll. 

Solche „Bevelboxen“ gibt es mit unterschiedlicher Herstellerkennzeichnung zu Preisen ab 30 Euro.

Solche "Bevelboxen" gibt es mit unterschiedlicher Herstellerkennzeichnung zu Preisen ab 30 Euro.

Die Typische Anwendung ist an der Tischkreissäge. Vor allem Besitzer von Modellen mit schlechter Anzeige des Sägeblattwinkels schätzen die kleinen Boxen inzwischen sehr. Aber auch wenn Ihre Säge eine ordentliche Anzeige hat, fällt es doch oft schwer kleine Korrekturen anhand einer Skala genau einzustellen. Der digitale Winkelmesser erleichtert dies mit der gut ablesbaren Anzeige. Sie setzen den Winkelmesser an das auf 90° eingestellte Sägeblatt. Dort wird er durch Magnete gehalten. Nun wird das Messgerät genullt. Der Winkel wird verstellt und die Anzeige des Gerätes zeigt den angezeigten Winkel an. Je nach Positionierung wird auch ein Winkel angezeigt, der 90° abzüglich des eingestellten Winkels entspricht. Nach einem Probeschnitt muss man nun gegebenenfalls noch wenige zehntel Grad verstellen. Dann setzt man das Gerät an das Sägeblatt und nullt es in dieser Position. Jetzt können Sie Ihre Änderung einstellen und den Wert genau ablesen. Alleine dafür könnte sich die Anschaffung schon lohnen. Aber der kleine Würfel kann noch mehr.

Das sieh man recht oft, auch bei den Herstellern der Geräte: Die Anwendung an der Tischkreissäge.

Das sieh man recht oft, auch bei den Herstellern der Geräte: Die Anwendung an der Tischkreissäge.

Flach hingelegt erfolgt leider keine Messung.  Sie können also den Ablänganschlag der Tischkreissäge damit nicht einstellen. Aber Sie können das Ergebnis eines Gehrungsschnittes überprüfen. Dazu wird der Winkelmesser auf eine gerade Kante des Werkstückes gelegt, genullt und auf die angeschnittene Kante gelegt. 

Das funktioniert leider nicht. Solche Winkelmesser messen nur in stehender Position.

Das funktioniert leider nicht. Solche Winkelmesser messen nur in stehender Position.

Das Messen am Werkstück ist auch eine Möglichkeit die „Bevelbox“ zu nutzen.

Das Messen am Werkstück ist auch eine Möglichkeit die "Bevelbox" zu nutzen.

An einer Bandsäge kann die Box direkt am Sägeband angesetzt und genullt werden. Setzt man sie anschließend auf den Tisch der Säge, kann man den Winkel verstellen und sehr genau einstellen. Da Bandsägen oft nur eine schlecht ablesbare Skala für den Tischwinkel haben werden Sie einen solchen Winkelmesser schnell zu schätzen wissen.

An der Bandsäge kann der Winkelmesser am Sägeband genullt werden.

An der Bandsäge kann der Winkelmesser am Sägeband genullt werden.

Als ich vor einigen Tagen vor dem Problem stand an schwere Massivholzteile einen bestimmten Winkel an die Längskante anzubringen, wollte ich dies zunächst an der Tischkreissäge machen. Das Gewicht der Teile ließ mich aber dann doch umdenken. Ein kleiner Wackler und die Kante wäre ungenau geworden. Man hätte dies nach dem Verleimen gesehen. Ich entschied mich für die Hobelmaschine. Abrichtanschläge an Hobelmaschinen kann man schräg stellen und damit dann Fasen und Gehrungen anhobeln. Leider ist es doch recht schwer, den Winkel ganz genau einzustellen. Ich benötigte einen Winkel von 5,2°. Die Skalen an den Anschlägen der Hobelmaschinen geben diese Genauigkeit in der Regel nicht her.  Meine derzeitige Maschine hat überhaupt keine Skala. Aber die "Bevelbox" kann das. Der Anschlag wird erst in Nullposition gebracht, dann die Box ansetzen und nullen. Schon kann man an jeder Hobelmaschine einen ganz genauen Winkel am Anschlag einstellen.

Auch an der Hobelmaschine kann die kleine Box nützlich sein.

Auch an der Hobelmaschine kann die kleine Box nützlich sein.

Ist der Anschlag aus Aluminium, kann man den Winkelmesser einfach an einem anderen magnetischen Bauteil ansetzen.

Ist der Anschlag aus Aluminium, kann man den Winkelmesser einfach an einem anderen magnetischen Bauteil ansetzen.

Aber wie genau ist so ein digitaler Helfer eigentlich? Ich wollte das wissen und habe ihn mit Hilfe meines präzisesten Winkels geprüft. Das Ergebnis war, dass das Gerät mir einen Winkel von genau 90,0° anzeigte. Ich denke diese Überprüfung sollte für die Holzbearbeitung ausreichend genau sein.

Der Winkel wird in die Hobelbank eingespannt, der Winkelmesser wird aufgesetzt und genullt.

Der Winkel wird in die Hobelbank eingespannt, der Winkelmesser wird aufgesetzt und genullt.

Die Messung am anderen Schenkel ergab genau 90,0°

Die Messung am anderen Schenkel ergab genau 90,0°

Nicht immer wird diese Präzision benötigt. Aber sie schadet ja auch nichts. Zum Beispiel beim Schärfen. Wenn Sie einen Winkel an ein Werkzeug mit Hilfe einer solchen Schleifführung anbringen möchten, für den Sie noch keine Schablone oder Anschlag haben, können Sie den Winkelmesser auf den Stein setzen, nullen und dann an der Führung oder am Eisen positionieren. So können Sie jeden beliebigen Winkel schnell und einfach einstellen.

Auch beim Schärfen von Handwerkzeugen kann der digitale Winkelmesser benutzt werden.

Auch beim Schärfen von Handwerkzeugen kann der digitale Winkelmesser benutzt werden.

Der Winkelmesser hat nun sein Dasein in der Schublade hinter sich. Er liegt nun immer griffbereit in der Werkstatt und kommt wesentlich öfter zum Einsatz, als bisher. Bei Gelegenheit muss ich mal den Inhalt aller Schubladen unter die Lupe nehmen. Vielleicht findet sich ja noch so manches Werkzeug, dessen voller Nutzen mir bisher entgangen ist.

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