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Besser früher schleifen

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 20.02.2018

Schleifen macht mir keinen Spaß. Die glatte Holzoberfläche, die durch das Schleifen entsteht macht mir hingegen schon Spaß. Erst durch sorgfältiges Schleifen (oder Hobeln) kommt Holz erst richtig zur Geltung. Tätigkeiten, die keinen Spaß machen schieben wir gerne vor uns her. So ist es kein Wunder, dass die meisten Holzwerker auch das Schleifen vor sich herschieben.

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Die wenigsten Holzwerker die ich kenne schleifen gerne. Die meisten von Ihnen reagierten bisher verwundert, wenn ich ihnen erzählte, dass ich bereits ganz früh schleife.

Die wenigsten Holzwerker die ich kenne schleifen gerne. Die meisten von Ihnen reagierten bisher verwundert, wenn ich ihnen erzählte, dass ich bereits ganz früh schleife.

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Ich war da lange keine Ausnahme. Ich habe meine Arbeitsweise aber irgendwann geändert. Wann genau, kann ich heute nicht mehr sagen. Ob es einen bestimmten Grund gab, weiß ich auch nicht mehr. Jedenfalls schleife ich heute so früh wie möglich. Und das hat so manche Vorteile: 

1. Ma hat es hinter sich.

 Schiebt man eine ungeliebte Tätigkeit wie das Schleifen immer wieder vor sich her, macht sie noch viel weniger Spaß. Eine regelrechte Belohnung kann es hingegen sein, wenn man solche Tätigkeiten möglichst schnell erledigt, dann kann man sich angenehmeren Dingen widmen. Auch wenn das erst einmal etwas seltsam klingt, für mich ist dieser Punkt inzwischen wirklich einer der wichtigsten Gründe für das frühe Schleifen geworden.

2. Man sieht das Holz wie es wirklich ist.

Ungeschliffenes Holz kann kleine Fehler verborgen halten. Kratzer, Dellen, feine Risse, Verfärbungen. Viele dieser Fehler kommen erst beim Schleifen an die Oberfläche. Dann kann man noch reagieren, das Holz aussortieren, umdrehen, oder an einer anderen, nicht gut sichtbaren stelle des Möbels verwenden. Schleift man erst am Ende des Projektes, sind solche Fehlstellen umso ärgerlicher.

3. Holzverbindungen werden präziser

Holzverbindungen wie zum Beispiel gedübelte Ecken, Schlitz und Zapfen, oder einfache Eckverbindungen mit Flachdübeln sollen genau passen. Da geht es um zehntel- Millimeter. Da macht es doch eigentlich keinen Sinn, erst die Verbindungen herzustellen und erst anschließend die Bauteile noch einmal zu schleifen. Je nach verwendeter Körnung werden die Teile durch das Schleifen nicht unerheblich dünner. Nach dem schleifen passen die Teile dann natürlich nicht mehr so genau wie vorher. Daher macht es Sinn, erst zu schleifen und anschließend die Verbindungen herzustellen.

4. Fehler die beim Schleifen passieren sind weniger schlimm

Es passiert schneller als gedacht: Man ist unachtsam und kippt beim Schleifen mit der Maschine über die Werkstückkante ab. Das Werkstück ist an dieser Stelle verschliffen. Schleift man vor dem Zuschnitt auf die Fertigmaße, fallen solche verschliffenen Stellen mit etwas Glück noch ab.

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Das ist bestimmt jedem von uns schon passiert: Die Schleifmaschine kippt an der Ecke ab. Gut, wenn diese Ecke ohnehin noch abgeschnitten wird.

Das ist bestimmt jedem von uns schon passiert: Die Schleifmaschine kippt an der Ecke ab. Gut, wenn diese Ecke ohnehin noch abgeschnitten wird.

Ich schleife wenn möglich schon vor dem Zuschnitt auf die endgültigen Maße.

Ich schleife wenn möglich schon vor dem Zuschnitt auf die endgültigen Maße.

Auch schmale Bauteile werden sehr früh geschliffen. Viele Eckverbindungen werden dadurch präziser.

Auch schmale Bauteile werden sehr früh geschliffen. Viele Eckverbindungen werden dadurch präziser.

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Es gibt also durchaus gute Gründe möglichst frühzeitig das lästige Schleifen hinter sich zu bringen. Man muss aber bei dieser Arbeitsweise ein paar Kleinigkeiten beachten. Ich habe mir zum Beispiel folgendes Angewöhnt:

  • Ich schleife nicht bis zur feinsten Körnung, sondern eine Stufe grober, als der final geplante Schliff. Das reicht aus um die drei eben genannten Vorteile zu haben. Wenn dann während der weiteren arbeiten noch kleine Kratzer ins Holz kommen, werden diese mit dem letzten Schliff vor der Oberflächenbehandlung beseitigt.
  • Nach dem Schleifen mache ich keine Markierungen mehr direkt auf dem Holz. Ich benutze Malerkrepp. Das klebe ich auf und zeichne und markiere dann darauf. Das hat auch den Vorteil, dass falsche Markierungen und überflüssig gewordene Striche einfach zu entfernen sind: Man muss ja lediglich das Malerkrepp abziehen.
  • Ich arbeite mit den geschliffenen Teilen wesentlich sorgfältiger, als mit ungeschliffenen. das geht ganz automatisch. Sind die Teile schon schön glatt, geht man unbewusst viel sorgsamer damit um.
  • Nach dem Schleifen sauge ich sorgfältig ab. Erst dann sieht man wie das Holz wirklich aussieht. Vor allem bei grobporigen Hölzern macht das einen großen Unterschied. Probieren Sie es ruhig einmal aus. Sie werden erstaunt sein, wieviel Staub trotz Absaugung noch im Holz ist.
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Probieren Sie es mal selbst aus: Das direkte Absaugen der Holzoberfläche nimmt Staub aus den Poren, von dem Sie nicht wussten, dass er noch da war.

Probieren Sie es mal selbst aus: Das direkte Absaugen der Holzoberfläche nimmt Staub aus den Poren, von dem Sie nicht wussten, dass er noch da war.

Nach dem Schleifen wird nur noch auf Kreppband angezeichnet und markiert. Das hat auch wieder einige Vorteile.

Nach dem Schleifen wird nur noch auf Kreppband angezeichnet und markiert. Das hat auch wieder einige Vorteile.

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Ich bin mit dieser Arbeitsweise inzwischen sehr zufrieden und sie ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. In meinen Artikeln zu unterschiedlichen Möbelprojekten ist ihnen das vielleicht auch schon aufgefallen.

Und wie ist es bei Ihnen? Zögern sie das Schleifen auch eher hinaus, oder machen Sie es wie ich schon sehr früh? Wie stehen Sie generell zu diesem Arbeitsgang? Macht Ihnen Schleifen Spaß oder sehen Sie es als wichtig, aber eher unangenehmen Schritt zum schönen Holz an? Ihre Meinung interessiert mich.

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