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Benutzt du die wirklich?

Verfasst von: Heiko Rech, Tischlermeister | 18.10.2016

Ein Kursteilnehmer fragte mich neulich "Benutzt du die wirklich oder sollen die nur gut aussehen?" Dabei schaute er sich in der Werkzeugtruhe um, in der meine Handwerkzeuge Stemmeisen und Hobel untergebracht sind. Die Frage zielte dabei in erster Linie auf die sehr speziellen Werkzeuge wie Nut- und Falzhobel ab. Meine Antwort lautete daraufhin "Ja klar, und manchmal sind sie den Maschinen haushoch überlegen." Momentan arbeite ich an einer Kommode aus Eiche, bei der ich diese Aussage auch belegen kann. Denn dabei kamen eben diese Spezialhobel zum Einsatz. 

Falzhobel und Nuthobel gibt es aus Holz und aus Eisen. Die Eisernen Varianten sind mir persönlich lieber, da sie schön handlich sind.

Falzhobel und Nuthobel gibt es aus Holz und aus Eisen. Die Eisernen Varianten sind mir persönlich lieber, da sie schön handlich sind.

An die Seitenteile sollte ein kleiner Falz als Schattenfuge. Der Falz sollte an ein Massivholzteil angebracht werden und bündig zu einer daran angeleimten, furnierten Tischlerplatte sein. Vor dem Anleimen des Massivholzteiles hätte ich den Falz problemlos anfräsen können. Aber ihn dann genau bündig mit der furnierten Platte zu bekommen wäre eventuell nicht gelungen. Nach dem Verleimen zu fräsen erschien mir als viel zu heikel. Einmal leicht gewackelt und die Fräse ruiniert die furnierte Platte. Mehrere Arbeitsstunden wären dann zunichte. Mit dem Falzhobel war diese Arbeit eine Sache von wenigen Minuten. Man kann sich hervorragend in kleinen Schritten an das Endergebnis herantasten, bis es perfekt ist. Das geht mit einer Fräse nicht ganz so einfach. 

Der Falzhobel braucht etwas Übung. Vor allem wenn der gehobelte Falz auch exakt rechtwinklig sein soll.

Der Falzhobel braucht etwas Übung. Vor allem wenn der gehobelte Falz auch exakt rechtwinklig sein soll.

In kleinen Schritten kann man sich an das gewünschte Maß heranarbeiten.

In kleinen Schritten kann man sich an das gewünschte Maß heranarbeiten.

Diese Ecken zu fräsen wäre schwierig geworden. Mit Handwerkzeugen war das aber keine große Sache.

Diese Ecken zu fräsen wäre schwierig geworden. Mit Handwerkzeugen war das aber keine große Sache.

Das ist bei mir ein typisches Einsatzgebiet für den Falzhobel: An fertigen Teilen noch einen kleinen Zierfalz anbringen. Große Fälze kann man damit zwar auch erstellen, hier ist aber die Maschine dann doch oft schneller. Vor allem, wenn mehr als ein Falz gemacht werden soll. Handelt es sich hingegen nur um einen einzigen Falz, kann die Handarbeit wiederum viel schneller sein. Ein Falzhobel ist nämlich sehr viel schneller einsatzbereit als eine Fräse oder Säge.

Das Einstellen eines solchen Hobels ist einfach und dauert wirklich nur eine Minute.

Das Einstellen eines solchen Hobels ist einfach und dauert wirklich nur eine Minute.

Ebenfalls viel Schneller ist das Glätten von sägerauen Kanten mit einem gut geschärften und fein eingestellten Handhobel. So schnell kann das kein Schwingschleifer. Höchstens eine immer einsatzbereite Kantenschleifmaschine kann es in puncto Geschwindigkeit mit einem Handhobel aufnehmen, wenn es um das Glätten gerader Kanten geht. Ein bis zwei Züge und die Kante ist perfekt glatt, eben und nicht versehentlich verrundet. Das Gleiche gilt für Flächen von Massivholzteilen. Mit einer Schleifmaschine muss man sich durch mehrere Körnungen zum Endergebnis durcharbeiten. Mit einem Hobel sind solche Schubladenteile aus Massivholz schnell geglättet. 

Das Glätten einer Massivholzkante geht kaum schneller, als mit einem Handhobel. Zwei bis drei Züge und alle Maschinenspuren sind beseitigt.

Das Glätten einer Massivholzkante geht kaum schneller, als mit einem Handhobel. Zwei bis drei Züge und alle Maschinenspuren sind beseitigt.

Das Glätten von Brettflächen ist nicht ganz so einfach und gelingt auch nicht bei jeder Holzart gleich gut.

Das Glätten von Brettflächen ist nicht ganz so einfach und gelingt auch nicht bei jeder Holzart gleich gut.

Und wenn die Teile schon mal auf der Hobelbank liegen, kann man auch gleich die Nut für den Schubladenboden mit einem Nuthobel erstellen. So ein Nuthobel nimmt locker 0,5 Millimeter dicke Späne ab. Also zwei Züge pro Millimeter. Eine sieben Millimeter tiefe Nut braucht also gerade mal 14 Hobelzüge. In der gleichen Einspannung kann man dann auch noch die Kanten mit einem Einhandhobel brechen. Ich habe mal die Zeit gestoppt. Ich habe knapp über zwei Minuten benötigt um eine Schubladenseite rundum glatt zu bekommen, die Nut einzuarbeiten und die Kanten zu brechen. Das hätte maschinell mit allen Einstellarbeiten sicherlich länger gedauert. Ich hätte mehrmals schleifen müssen, die Fräse hätte ich rüsten und einstellen müssen. Der Putzhobel lag einsatzbereit in der Schublade, der Nuthobel musste lediglich mit einem passenden Eisen bestückt und die Anschläge eingestellt werden. Die Einrichtzeit für alle Handarbeitsgänge lag bei etwa fünf Minuten. Alles in allem finde ich, war das eine sehr gute Zeit. Dazu kommt noch, dass die Arbeitsgänge ohne Lärm und Staub abliefen. Ich finde das sehr überzeugend. Daher greife ich immer wieder gerne zu meinen Handwerkzeugen. Spaß macht das übrigens auch noch.

Ein Nuthobel ist schnell einsatzbereit. Auf jeden Fall schneller, als eine Fräse, die noch eingestellt werden muss.

Ein Nuthobel ist schnell einsatzbereit. Auf jeden Fall schneller, als eine Fräse, die noch eingestellt werden muss.

Da geht schon was. Je nach Holzart sind so dicke Späne kein Problem.

Da geht schon was. Je nach Holzart sind so dicke Späne kein Problem.

Der Nuthobel arbeitet sich recht schnell bis zur benötigten Tiefe vor. Ein Tiefenanschlag stoppt ihn an der richtigen Stelle.

Der Nuthobel arbeitet sich recht schnell bis zur benötigten Tiefe vor. Ein Tiefenanschlag stoppt ihn an der richtigen Stelle.

Wenn man schon dabei ist, kann man auch gleich die Kanten mit dem Einhandhobel brechen. Dann sind die Schubladenseiten fertig vorbereitet.

Wenn man schon dabei ist, kann man auch gleich die Kanten mit dem Einhandhobel brechen. Dann sind die Schubladenseiten fertig vorbereitet.

Man muss aber auch ein wenig relativieren: Das Holz für die Schubladenseiten war Yellow-Poplar. Das kann mit Handwerkzeugen wunderbar bearbeitet werden. Mit Buche oder Eiche wäre es wesentlich schwieriger gewesen. Man sollte also zur Handarbeit die passende Holzart wählen. Nicht zu verschweigen ist auch, dass gute Handwerkzeuge auch gutes Geld kosten. Zumindest wenn man sie neu und nicht gebraucht erwirbt. Das gilt aber gleichermaßen für Maschinen. Ebenso für Handwerkzeuge und Maschine gilt: Ohne Übung geht nichts.

Diese beiden Beispiele sind aber meiner Meinung nach gut geeignet, um zu zeigen, dass gute und scharfe Handwerkzeuge wirklich effektiv arbeiten können. Und wie das Beispiel mit dem Falzhobel zeigt, bedeutet effektiv nicht unbedingt schneller. Effektiv kann es auch sein, die sicherste Methode zu wählen.

Wenn Sie also bisher um Handwerkzeuge einen großen Bogen gemacht haben, denken Sie doch mal darüber nach, ob Sie es nicht doch einmal versuchen wollen. Ich empfehle dann gerne einen einfachen Einhandhobel. Aber Vorsicht: Wer einmal Blut geleckt hat ... Es könnte nicht bei einem einzigen Hobel bleiben. Geben Sie dann aber nicht mir die Schuld.

Drei Hobel und etwas Übung waren nötig um diese Schubladenseiten zu glätten, zu nuten und die Kanten zu brechen.

Drei Hobel und etwas Übung waren nötig um diese Schubladenseiten zu glätten, zu nuten und die Kanten zu brechen.

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