Bitte warten Sie.'

Die Seite wird geladen.'


Home > Blog > Guido Henn > Holzwerken hält jung – Besuch bei Epple Ho...

Holzwerken hält jung – Besuch bei Epple Hobelbänke

Verfasst von: Guido Henn | 10.05.2019

Es gibt leider in Deutschland nur noch ganz wenige Hersteller von klassischen Hobelbänken für die Holzbearbeitung. Einer davon ist die Fa. Epple im etwa 730 Meter hoch gelegenen Ort Hülben auf der Albhochfläche der schwäbischen Alb. Bereits seit 1964 fertigt dort der Firmengründer Roland Georg Epple seine hochwertigen Hobelbänke, die unter Insidern gerne als Geheimtipp gehandelt werden. Mehr Infos zur Firma und ihrem umfangreichen Produktsortiment finden Sie auf der Firmen-Website unter: https://www.holz-cnc-epple.de


Ich hatte mir schon lange vorgenommen die Fa. Epple einmal persönlich zu besuchen und im letzten Herbst bei strahlendem Sonnenschein war es dann soweit. Schon die Anfahrt auf die Albhochfläche war ein Genuss und versprach ein ganz besonderer Tag zu werden. Angekommen in Hülben lotste mich das Navi in die Brühlstraße 35 direkt vor eine große Halle. Nachdem ich aus dem Auto ausgestiegen war, vernahm ich auch gleich die vertrauten Geräusche einer laufenden Hobelmaschine. Das war genau der Sound, den ich liebe und mir war gleich klar: Hier bist du richtig!


Anklopfen an die Hallentür brachte bei dem Lärm natürlich nichts. Also öffnete ich vorsichtig die Tür und wartete geduldig, bis die Maschine ausgeschaltet wurde. Denn ich weiß nur zu gut, wie schnell man sich bei unerwartetem Besuch in der Werkstatt erschrecken kann. Ich hatte ja auch keine Eile und so konnte ich schon mal meine neugierigen Blicke in der Werkstatt umher streifen lassen. Und was ich da alles sah, war wirklich beeindruckend und span(n)end zugleich: Eine fertige und eine fast-fertige Hobelbank standen schon im Eingangsbereich. Auch die wichtigsten stationären Holzbearbeitungsmaschinen, wie Hobelmaschine, Kreissäge, Schleifmaschinen etc. waren in der Halle untergebracht. Und im hinteren Bereich konnte ich noch zwei interessante Maschinenbauten aus Holz entdecken (dazu später mehr).


Dann wurde die Hobelmaschine ausgeschaltet und ein älterer Herr kommt lachend auf mich zu. "Sind sie der Herr Epple?" frage ich etwas ungläubig. Mein Gegenüber nickt. Aha - der Chef persönlich! "Arbeiten Sie hier ganz alleine?" sprudelt die nächste Frage aus mir heraus. "Mittlerweile ja." erklärt mir Herr Epple und besorgt schiebe ich sogleich die nächste Frage nach: "Aber die Hobelbänke sind doch richtig schwer, wie machen Sie das bloß?" Und im liebenswerten schwäbischen Dialekt zerstreut er meine Bedenken mit einem überzeugenden "Des lupf i scho noch!" Ich muss schmunzeln und hoffe insgeheim, dass ich mit 80 Jahren wenigsten noch einen Bruchteil dieser Energie besitze - einfach beeindruckend dieser Mann. Genauso beeindruckend wie seine Hobelbänke, und die vielen kleinen und großen Erfindungen rund um das Holzwerken. Auf den folgenden Bildern stelle ich Ihnen einige dieser Besonderheiten noch etwas genauer vor. Das ist natürlich kein Vergleich zu einem persönlichen Besuch bei der Fa. Epple und das ist nach vorheriger telefonischer Absprache mit dem Chef auch problemlos möglich.


Für mich hat sich der Besuch jedenfalls gelohnt! Und neben den vielen interessanten Eindrücken rund um das Thema Hobelbank, durfte ich einen beeindruckenden Menschen kennenlernen, der seine Arbeit liebt und auch mit fast 80 Jahren noch lange nicht ans Aufhören denkt.


Roland Georg Epple

Der gelernte Maschinenbautechniker Roland Georg Epple baut seit 1964 jede Hobel- oder Werkbank ganz individuell nach dem Wunsch seiner Kunden. In diesen 55 Jahren (!!!) hat er seine Modelle stets mit cleveren Details weiter entwickelt. Seine Hobelbänke stehen nicht nur in Berufsschulen und Schreinereien, sondern auch in vielen Hobbywerkstätten. Und auch nach so vielen Jahren tüftelt der fast 80-jährige Schwabe immer noch an neuen Ideen. Er sprüht förmlich vor Energie und das ist für mich mal wieder ein eindeutiger Beweis, welch positiver Einfluss das Holzwerken auf Körper und Geist hat.


Hier ein paar Eindrücke zu den Epple Hobelbänken


Epple Hobelbank 1
   
Epple Hobelbank 2
       
Diese schwere Hobelbank stand kurz vor der Auslieferung zum Kunden. Mit etwa 150 kg Lebendgewicht sicher keine "leichte" Aufgabe. Auch die Epple Hobelbank orientiert sich an der klassischen Variante mit französischer Vorder- und deutscher Hinterzange. Auf den ersten Blick faszinieren aber die vielen weiteren Spannelemente in den Löchern der Hobelbank, die wir uns gleich noch genauer anschauen.     Nur die "besten Zutaten" aus deutscher Fertigung kommen in eine Epple Hobelbank. Hier eine schwere Vorderzange mit synchroner Führung mittels Kettenantrieb, die immer ein paralleles Spannen gewährleistet. Trotzdem lässt sich zusätzlich noch ein Sonderbankhaken in die seitlichen Löcher der Spannbacke einstecken. Der dient als Druckausgleich, mit dem man die Parallelität bei Bedarf nochmals sehr fein nachjustieren kann.
       
Epple Hobelbank 3
   
Epple Hobelbank 4
       
Spannen an allen Ecken und Kanten ist eine Spezialität der Epple Hobelbänke. Dazu befinden sich nicht nur auf der Hobelbankfläche, sondern auch ringsum an der Kante zahlreiche Löcher bzw. Bohrungen. Dort können nicht nur alle Rund- und  Sonderbankhaken eingesteckt werden, sondern auch die Hobelbankzwingen.    

Diese Sonderbankhaken gibt es in verschiedenen Ausführungen. Dort lassen sich dann die unterschiedlichsten Form- oder Rundteile (z. B. Hammer- oder Axtstiele) sicher und falls nötig auch sehr feinfühlig einspannen. Ein cleveres Detail: Ein Stift mit rotem Kugelkopf sichert den Sonderbankhaken gegen Verdrehen.

Im Hintergrund – eingespannt in die Hinterzange – ein T-förmig verbundener Holzblock auf dem man beispielsweise einen Schraubstock oder einen kleineren Schleifbock befestigen kann.

       
Epple Hobelbank 5
   
Epple Hobelbank 6
       
Hier ein Blick auf die Hobelbankzwinge. Die wird einfach in eine der zahlreichen Bohrungen auf oder an der Seite der Hobelbank eingesteckt und ist so blitzschnell einsatzbereit.     Die Rundbankhaken sind sehr aufwändig gearbeitet und besitzen federnde Kunststoffdruckstücke. Die halten den Bankhaken in jeder gewünschten Höhe sicher in Position. Ein besonderer Clou: Wer anstelle der Alu-Druckkappe eine Werkstück schonendere Zulage aus Holz benötigt, der bohrt einfach ein 30 mm Loch in die Zulage und stülpt das Loch über die Alukappe – fertig.
       
Epple Hobelbank 7
   
Epple Hobelbank 8
       
Den Raum unter der Hobelbank kann man zusätzlich noch mit solchen Schubladenblöcken bestücken. Das Besondere an diesen Schubladen sind die dreikantigen Laufleisten, für die sich in jeder Schubkastenseite die passende Dreikantnut befindet. Die laufen deutlich besser als herkömmliche rechteckige Führungsleisten, weil der Schubkasten gleichmäßiger aufliegt und nicht so schnell verkantet.     Eine interessante Zusatzausstattung für eine Hobelbank stellt auch diese Lineareinheit dar. Sie sitzt an der Rückseite der Hobelbank und der verfahrbare Auslegerarm kann über der gesamten Hobelbankfläche präzise verschoben, positioniert und arretiert werden. In der Werkzeugaufnahme (43 mm Eurohals) können Bohrmaschinen oder auch Fräsmotoren eingesetzt werden. So lassen sich in Werkstücke (bis zu einer Höhe von 350 mm !) an jeder beliebigen Stelle wiederholgenaue Bohrungen oder Fräsungen einbringen. Zum Festspannen der Werkstücke verfügt die Hobelbank bereits von Haus aus über eine Vielzahl von Spannmöglichkeiten, wie z. B. Spannzangen, Rund- und Sonderbankhaken, Hobelbankzwingen und vielem mehr.
       
Epple CNC-Maschine

Auch das ist eine Entwicklung der Fa. Epple: Eine CNC-Maschine größtenteils aus Buche Massivholz gefertigt.

In Punkto Biegesteifigkeit und dem Schwingungs- und Dämpfungsverhalten kann der Werkstoff Holz hier durchaus überzeugen. Auch das Gewicht von beachtlichen 1,5 Tonnen spricht für eine solide und nahezu unverwüstliche Maschine. Ein wirklich beeindruckender Koloss!


So das war’s mal wieder für heute und ich kann Sie nur ermutigen, die Fa. Epple einmal persönlich zu besuchen.

In zwei Wochen gibt es dann den angekündigten Bericht über eine interessante Zwinge, die leider viel zu selten in der Holzwerkstatt zum Einsatz kommt.

Bis dahin wünsche ich Ihnen wieder allzeit unfallfreies Holzwerken!

Herzlichst, Ihr

Guido Henn

Kommentare (3)
Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben

Sie sind nicht eingeloggt

Suche

Suchtext:

Guido Henn

Guido Henn ist Tischlermeister wie schon sein Vater und Großvater vor ihm. Seit der Gründung von HolzWerken Ende 2006, findet sich in nahezu jeder Ausgabe ein Artikel von ihm und in vielen Fällen auch ein dazu passendes Video auf HolzWerkenTV.
Artikel und Videos von Henn sind echte Renner im Netz und werden millionenfach angeklickt. Verständlich. Schließlich versteht es kaum jemand, Maschinen, ihre Bedienung und passende Vorrichtungen so zu vermitteln, wie er.

Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31