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Tischlerarbeiten im Alltag

Verfasst von: Dominik Ricker | 25.09.2020

In den vorangegangenen Blogbeiträgen habe ich das Thema Inspiration behandelt und darauf hingewiesen, dass diese hinter jeder Ecke lauern kann.

Dies war meist mit eher abstrakten Formen des Alltags verbunden, im heutigen Blog wird es etwas konkreter. Beim Besuch im Möbelhaus, Flohmarkt, Restaurant oder den Wohnungen von Bekannten gilt mein Blick meist schnell der Einrichtung. Wirkt es stimmig, fügt es sich gut in die Umgebung ein, hat es auffallende Formen. Diese Punkte sind in der Regel mit einem kurzen Blick abgehakt.
Wirklich hilfreich für meine Tätigkeit beim Möbelbau ist dagegen ein langer Blick: Bei Tischen ist für mich bspw. der Blick unter die Tischplatte oft sehr erkenntnisreich. Welche Möglichkeiten wurden gewählt, um die Zargen zu verbinden? Wurden Nutklötze verwendet, um die Tischplatte zu fixieren oder gibt es eine andere Variante? Wie funktioniert der Auszug, um den Tisch zu verlängern? Kleiner Trick, um bei der Inspektion nicht allzu auffällig zu wirken: Ein vorgetäuschtes Schuhe zubinden ermöglicht ungenierte Perspektiven ;)


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Im Restaurant fiel mir dieses Spätzle-Fass auf, insbesondere die Verbindung vom Fassreifen. Genialer Trick, dessen Kopie mich in der Werkstatt einiges an Nerven gekostet hat.

 

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Manchmal liegt der Blick frei auf Eckverbindungen, die ich bislang noch in keinem Lehrbuch gesehen habe.


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"Guck mal, guck mal, Schwalbenschwanzverbindungen in groß” Man darf sich auch einfach mal an Verbindungen erfreuen...


Neben Detaillösungen sollte man beim Blick auf Möbelstücke immer auch die Dimensionierungen betrachten. Vor allem bei Stühlen lässt sich so für zukünftige Projekte gut einschätzen, welche Stärke Lehne, Zargen und Stuhlbeine haben müssen. Das erspart bei der Planung eine Menge Kopfzerbrechen ob das hinterher auch wirklich stabil genug ist.
Neben dem Blick auf Konstruktion und Detaillösungen kann auch das Erfühlen der Möbel neue Ideen wecken. Ich erinnere mich noch an ein unscheinbares Stück aus Eschenholz. Die Oberfläche sah unspektakulär aus und hatte nicht den kräftigen Ton, wie man ihn von geölten oder lackierten Möbeln kennt.

Beim Berühren der Oberfläche kam die große Überraschung: Das Holz fühlte sich schon fast so an wie Samt. So lässt sich meine erste Berührung mit geseifter Oberfläche wohl am besten beschreiben. Eine Mischung aus weich und glatt, die Maserung tritt schon hervor, der ursprüngliche Farbton bleibt dabei erhalten, das Holz wird nicht angefeuert.

An dieser Stelle meine Empfehlung: Unbedingt mal ausprobieren! Im Internet lassen sich dazu viele Hinweise finden, vor allem der Autor Christopher Schwarz gibt in seinen Büchern (auch hier im HolzWerken-Shop) gute Anweisungen dazu. Mit Wasser und Kernseife aus der Drogerie lässt sich so eine unkomplizierte Oberfläche herstellen.



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Die geseifte Oberfläche betont Früh- und Spätholz, erhält dabei aber den hellen Farbton der Weißtanne.


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Zu sehen und zu fühlen: Bewusst gewähltes Werkstück voller Wurmfraß. Muss man mögen, spannend ist es in jedem Fall.



Fangt an, euch unter die Möbel zu legen, fühlt die Oberfläche, merkt euch Details. Der Zweck heiligt die Mittel, auch wenn es eventuell für verstörende Blicke bei euren Mitmenschen sorgt ;)

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Dominik Ricker

Dominik Ricker ist Kursleiter und Autor für HolzWerken. Als gelernter Tischler mit Studium des Industriedesigns pendelt er genauso zwischen Berlin und der niedersächsichen Provinz, wo seine Kurswerkstatt steht, wie zwischen traditionellen Techniken und modernen Designs. 

In seinem Blog nimmt er uns mit in seine Werkstatt, zu interessanten Unternehmen und "places of interest" rund um das Thema Holz. 

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