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Eine Reise in die Vergangenheit - immobile Möbel

Verfasst von: Dominik Ricker | 28.08.2020

Wie bereits im vorangegangenen Blog-Beitrag dokumentieren die kommenden Artikel meine Erlebnisse im Urlaub am Bodensee und Bregenzerland (Österreich).

Die Reise beginnt zunächst im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen.

Der Pfahlbau diente in alten Zeiten vor allem als Absicherung gegenüber Hochwasser, wilden Tieren und möglicherweise auch Räubern und Stammesfeinden. Die Nähe zum Wasser ermöglichte die Nutzung von Booten zur Fortbewegung und zum Fischfang. So weit, so spannend. Wirklich interessant waren für mich vor allem die Holzkonstruktionen. Zeitlich gesehen befinden wir uns 6000-2000 Jahre v.Chr. Leim war zwar schon erfunden, wurde jedoch nicht in dem Umfang wie heute genutzt. Stattdessen bediente man sich Holznägeln und Seilen. Holznägeln sind uns aus der Zimmerei von Fachwerkhäusern bekannt, die Nutzung von Seilen war zumindest mir neu. Bei den Holzverbindungen kommen die bekannten Klassiker zum Einsatz: Schlitz/Zapfen und Schwalbenschwanzverbindung. Mit Keil oder Holznagel wird die Verbindung dann gesichert.


Bild: Dominik Ricker

Deutlich erkennbar: Holznägel verhindern ein Lösen der Zapfenverbindung


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Bild: Dominik Ricker

Nicht ungewöhnlich: Von Stämmen und Ästen wurden nur Rinde und Bast entfernt, der Zweck heiligte damals stets die Mittel und ersparte Mehrarbeit


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Bild: Dominik Ricker

Wirklich spannend waren für mich allerdings diese beiden Möbel.
Wobei, kann man hier wirklich von Möbeln sprechen? Da fehlt doch was?


Laut Definition ist ein Möbel (lat. mobile - bewegliches Gut) ein beweglicher Gegenstand. Im Gegensatz dazu ist die Immobilie fest mit dem Boden verbunden oder verwachsen. Die Möbel meiner Großeltern standen ebenfalls 50 Jahre unbewegt an der gleichen Stelle, da könnte man auch schon fast schon von einem Verwachsen mit dem Haus sprechen ;-)

Lässt man solche Haarspaltereien außer Acht, dann ist auch damals der Mangel an Material sehr förderlich für die Kreativität gewesen. Die Seiten - und Rückwand von Bett und Schrank werden durch die Hauswand bereits gegeben. Aufwändige Verbindungen entfallen, bei der Planung des Hauses musste lediglich berücksichtigt werden, dass die Bauteile bereits beim Hausbau in die Lehmwand integriert wurden. Wobei auch hier ein nachträglicher Einbau/Rückbau natürlich denkbar ist.

So muss beim Bett lediglich eine Eckverbindung hergestellt werden, die Ablage für Gewürze in der Speisekammer muss nicht mit Dübeln und Schrauben befestigt werden und beim Schrank braucht es keine Hinterlüftung, um Schimmel zu vermeiden (Letzteres ist wahrscheinlich nicht wissentlich geschehen). Während sich die Stararchitekten heutzutage stets um besonders harmonische und integrierte Raumlösungen bemühen, geschah dies vor 5500 Jahren schon ganz unaufgeregt.


Bild: Dominik Ricker

Auch der hier gezeigte Türsturz, der gleichzeitig als Aufnahme für den Zapfen des Türblattes dient, findet sich heutzutage bei Zapfenbändern wieder.

Unsere nächste Reise führt uns etwas mehr in die Gegenwart… in das Jahr 800 n. Chr.

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Dominik Ricker

Dominik Ricker ist Kursleiter und Autor für HolzWerken. Als gelernter Tischler mit Studium des Industriedesigns pendelt er genauso zwischen Berlin und der niedersächsichen Provinz, wo seine Kurswerkstatt steht, wie zwischen traditionellen Techniken und modernen Designs. 

In seinem Blog nimmt er uns mit in seine Werkstatt, zu interessanten Unternehmen und "places of interest" rund um das Thema Holz. 

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